Holger Gehring Kreuzorganist





Orgelweihe im

Kulturpalast Dresden


Am Freitag, 8. September 2017, 18:00 Uhr, Kulturpalast Dresden

Einweihung der neuen Orgel der Dresdner Philharmonie im Konzertsaal

Festakt mit Übergabe der Orgel, 18:00 Uhr
mit Orgelwerke von Richard Wagner, Robert Schumann, Gustav Adolf Merkel, Wilhelm Middelschulte
Kreuzorganist Holger Gehring, Orgel
Kustos der neuen Konzertorgel

Laudatoren

Dirk Hilbert, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden
Frauke Roth, Intendantin der Dresdner Philharmonie
Lutz Kittelmann, Vorsitzender des Fördervereins der Dresdner Philharmonie
Anthony Arnold, stellvertretend für die Stifter
Dirk Eule, Hermann Eule Orgelbau Bautzen

Konzertprogramm

Richard Wagner (1818-1883)
Vorspiel zu der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ (1862) Bearbeitung von Sigfrid Karg-Elert für Orgel

Robert Schumann (1810-1856)
Studie op. 56 Nr. 3 E-Dur (1845)

Gustav Adolf Merkel (1827-1885)
aus der Sonate Nr. 1 d-Moll op. 30; Bearbeitung für einen Spieler von Otto Türke 

Robert Schumann (1810-1856)
Fuge über BACH op. 60 Nr. 5 (1845)

Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Chaconne d-Moll für Violine solo BWV 1004 (1720) Bearbeitung für Orgel von Wilhelm Middelschulte

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Sonate für Orgel Nr. 4 B-Dur op.65 (1845)

Samuel Kummer (*1968)
Fantasie über "Ein feste Burg ist unser Gott"
Rekonstruktion einer Improvisation vom 17. Mai 2017 mit kompositorischen Ergänzungen

Pierre Cochereau (1924-1984)
Boléro über ein Thema von Charles Jacquet für Orgel und Schlagzeug (1973)

Olivier Latry (*1962)
Improvisation

Holger Gehring | Orgel
Samuel Kummer | Orgel
Johannes Trümpler | Orgel
Olivier Latry | Orgel
Alexej Bröse | Schlagzeug



Meistersinger mit 4.109 Pfeifen


Bernd Klempnow schreibt in der Sächsischen Zeitung

Im Dresdner Kulturpalast wird die neue Orgel geweiht. Sie ist so genial gebaut, dass sie ganze Orchester ersetzen kann.
Ein seltenes Fest steht an. Im umgebauten Dresdner Kulturpalast wird am Freitag die neue Orgel geweiht. In Kirchen geschieht die Weihe nach Sanierung oder Neubau solcher Instrumente öfter. Dass eine Konzerthausorgel in Dienst gestellt wird, ist in Deutschland eine Seltenheit. Auch wenn dies zufällig vor gut einem Jahr in der Elbphilharmonie Hamburg geschah.

Ein großes Festkonzert wird es im Kulturpalast geben. Gleich vier Organisten – die von der hiesigen Kreuz-, Hof- und Frauenkirche sowie der Palastorganist dieser Saison, der Notre -Dame-Musiker Olivier Latry aus Paris, – wollen die Vielseitigkeit des Instruments demonstrieren.

Merkel ist auch dabei – jedoch nicht die Kanzlerin. Es erklingt eine Sonate vom einst beliebten Hoforganisten Gustav Adolf Merkel. Außerdem werden Bach, Schumann, Reger und Wagner zu erleben sein. So gibt es das „Meistersinger“- Vorspiel in den ganz eigenen Farben der Orgel. Schließlich meinte schon Honoré de Balzac: „Die Orgel ist ohne Zweifel das größte, das kühnste und das herrlichste aller von menschlichem Geist erschaffenen Instrumente. Sie ist ein ganzes Orchester, von dem eine geschickte Hand alles verlangen, auf dem sie alles ausführen kann.“ Und geschickte Hände können der neuen Dresdner Königin viel abverlangen. Denn die von der Bautzner Firma Eule errichtete Orgel ist in Planung, Finanzierung und Gestaltung einzigartig. Und die „so ziemlich gut gelungen“ ist, wie ihr neuer Kustos Holger Gehring nach dem ersten Musizieren sagt.
In besonderem Maß geht sie auf die gelungene Akustik des neuen Saals ein. Sie unterstützt den warmen, füllenden Raumklang und umflutet den Hörer mit den schönsten Klangfarben. „Selbst im leisen Bereich sind die Töne überall hörbar und behalten ihren seidigen Glanz“, so Gehring, der für den Spielplan und die Künstlerbesetzung mit zuständig ist.
Bürger sammeln für klingende Luft

Gut 25 Konzerte in dieser Spielzeit sind ausschließlich der Orgel gewidmet. Das ist viel. Sie ist in den internationalen Dresdner Orgelzyklus aufgenommen, der sonst nur in den drei wichtigsten Kirchen der Stadt stattfindet. Das Silvesterkonzert ist ihres. Der Kreuzchor kehrt mit einem Chor-Orgel-Programm in den Kulturpalast zurück. Erstmals wird sie ab Oktober auch in Schulkonzerten vorgestellt. „Auf diese Schulkonzerte freue ich mich besonders“, sagt Gehring, „weil wir Hunderte von Kindern erreichen. Sonst konnten ja aus Platzgründen immer nur ein paar wenige auf der Empore zuschauen und -hören.“
Besonders war die Entstehung. So knapp, wie der Umbau des Palastes kalkuliert war, sollte es keine neue Orgel geben. Obwohl klar war, dass die alte zu klein war. Damit wollten sich Musiker und Freunde des Hausorchesters Philharmonie nicht abfinden und starteten ein ungewöhnliches bürgerschaftliches Engagement. Der Förderverein der Philharmonie verpflichtete sich, eine Million Euro an Spenden zu sammeln. Der Clou war ein Gedenkkonzert für den in den USA verstorbenen Kunstmäzen George Gerard Arnhold. Aus der ganzen Welt reisten die Arnholds in die alte Heimat Dresden und spendeten eine halbe Million Euro. Auch am Freitag werden Familienmitglieder erwartet. Die Stadt steuerte dann doch 300 000 Euro dazu.

Für diese Summe kreierten die Könner von Eule eine Orgel, wie „sie so in Dresden fehlte“, sagt Fördervereins-Chef Lutz Kittelmann. Die neue sollte durchweg symphonisch gedacht sein: in Farbigkeit, Dynamik, Verschmelzungsfähigkeit und Spieltechnik den Ausdrucksmöglichkeiten eines modernen Klangkörpers entsprechen – ideal für Musik der Romantik bis zur Gegenwart. „Wir strebten ein Instrument an, das den großen Chören und Sinfonieorchestern ein adäquater Partner als Solist und Begleiter ist, ebenso den Solisten von klassischer Orgelmusik bis zu Transkriptionen, Filmmusik und Jazz“, sagt Jiri Kocourek, Künstlerischer Leiter der Hermann Eule Orgelbau Bautzen GmbH.

Das Ergebnis beweist eine große Bandbreite: vom fast verhauchenden pianissimo bis zum majestätisch aufbrausenden Tutti aller 67 Register. Ebenso groß ist die Vielfalt an Farben: vom klassisch-brillanten Orgelsound über zahlreiche Orchesterklänge wie Klarinette und Oboe bis zu großflächigen Klangmischungen. „Die Leidenschaft, das Aufbrausende, Gefühlvolle, Begeisternde, Zärtliche und Kraftvolle von nachbarocker Musik kann überzeugend zum Klingen gebracht werden“, so Kocourek.

Das Ergebnis überzeugt auch sichtbar. Die klugen Architekten gaben der Orgel den zentral-besten Platz im Saal und genügend davon. Den braucht sie auch mit ihrer Breite von fast 15 Metern, einer Tiefe von 3,3 Metern und einer Höhe von 8,5 Metern. Über 20 Tonnen wiegt das Ganze. 4 109 Pfeifen erzeugen die neue klingende Luft. Die längste ist über neun Meter, die kleinste nur einen Zentimeter groß.

Im Prospekt zu sehen sind nur 223 Pfeifen – hier machen die Experten auf Show. Um ein symmetrisches Erscheinungsbild zu erzielen, wurden viele gleichgroße Pfeifen eingebaut, die man teils fürs Spiel nicht braucht – sogenannte Blindpfeifen. 96 sind es an der Zahl – etwa so viele wie Orchestermusiker darunter auf dem Podium. Wetten, dass bald ein neuer Philharmoniker-Witz über diese Pfeifen seine Runde macht!